Was kostet eigentlich das Klimagerät?
Seit letzter Woche fragt Gridbert nach, wenn nachts ungewöhnlich viel Strom durchläuft, und merkt sich die Antwort für den nächsten gleichen Fall. Was noch fehlte, war ein Betrag. Wer „Klimagerät" anklickt, will wissen, was das Ding im Jahr kostet, nicht nur, dass die Auffälligkeit erklärt ist. Diese Woche kam die Zahl dazu, und sie hat sich beim Rechnen dreimal geändert, jedes Mal aus einem gemessenen Grund.
Der erste Versuch zählte nur die Nachtstunden, weil dort auch gefragt worden war, und kam auf 1,58 Euro. Darunter steckte ein Fehltreffer im Februar, an einem Tag, an dem gar kein Klimagerät lief. Ohne ihn blieben 1,48 Euro übrig. Dann kam der Einwand, den man bei so einer Auswertung leicht überhört: das Gerät läuft auch tagsüber. Ein Tag zählt seither volle vierundzwanzig Stunden, sobald auch der Grundverbrauch über den ganzen Tag die Schwelle reißt, nicht nur die Nachtstunden. Damit kamen zwei durchgehende Tage zu den fünf Nächten dazu, macht sieben Tage und 11,22 Kilowattstunden. Am Ende stehen 3,07 Euro, mehr als das Doppelte der ersten Zahl, obwohl sich am tatsächlichen Verbrauch nichts geändert hat. Geändert hat sich nur, wie genau hingesehen wurde.
Der naheliegende Weg wäre gewesen, ganze Tage mit Gerät gegen vergleichbare Tage ohne Gerät zu stellen. Das ergibt eine größere Zahl: 24,5 Kilowattstunden. Sie misst aber den Alltag, nicht das Gerät. Am 23. Mai etwa lag ein Tag mit laufendem Klimagerät sogar 1,69 Kilowattstunden unter den Vergleichstagen, nicht darüber. Wer an so einem Tag zufällig wenig zu Hause ist oder sonst weniger verbraucht, drückt die Rechnung nach unten, ganz gleich, was das Gerät macht. Wir zeigen lieber die kleinere Zahl, die stimmt, als die größere, die nur nach mehr aussieht.
Denselben Fehler macht jede Suche, die tagsüber nach demselben Muster sucht wie nachts: hohe Grundlast über Stunden hinweg. An der geprüften Serie riss diese Schwelle im Sommer an 22 Tagen, im Winter aber an 27 Tagen, an mehr Tagen als im Sommer, obwohl das Klimagerät im Winter garantiert aus war. Was diese Methode findet, ist nicht das Gerät, sondern dass an dem Tag jemand zu Hause war und etwas benutzt hat. Nachts funktioniert dieselbe Erkennung genau deshalb, weil dort sonst nichts läuft.
Was trägt, ist eine Rechnung gegen die Außentemperatur, wie sie in der Energieberatung für genau solche Fälle üblich ist: Tagesverbrauch gleich Grundverbrauch plus ein Zuschlag je Grad über einer Kühlgrenze. Die Grenze stand zunächst bei 21 Grad. Segmentweise gegen die Daten gerechnet, zeigt sich zwischen 21 und 25 Grad aber keine messbare Reaktion, erst ab 25 Grad schlägt sie klar durch. Der Haushalt selbst schätzte seine Kühlgrenze genauso ein, mit dem Satz „wir kühlen selten". Die Grenze liegt seit dieser Woche bei 25 Grad, nicht weil sie die Kurve am besten trifft, sondern weil sie zu dem passt, was im Haushalt tatsächlich passiert. Für den Sommer ergibt das ein Band von 34,0 bis 56,7 Kilowattstunden, macht 9,30 bis 15,51 Euro. Ein Band, keine einzelne Zahl, denn auch der beste Zusammenhang bleibt unsicher, und eine einzelne Kommastelle würde das verstecken.
Damit dabei kein erfundener Kühlverbrauch herauskommt, muss die Rechnung drei Hürden nehmen. Es braucht genug Tage in der Stichprobe, sonst trägt eine Saisonaussage nicht. Der Zusammenhang muss stark genug sein, um kein Zufall zu sein. Und er muss bestehen bleiben, wenn man den Kalender herausrechnet. Ein Testhaushalt, der am ersten Juli einzieht und nie kühlt, bekäme ohne dieses dritte Gate ebenfalls eine Zahl, weil sein höherer Verbrauch rein zufällig mit dem Sommer zusammenfällt. Reißt eine der drei Hürden nicht, gibt es keine Zahl. Lieber keine Aussage als eine falsche.
Was diese Rechnung nicht trennt: Sie misst alles, was mit der Temperatur zusammenhängt. Der Ventilator läuft da hinein, genauso der Kühlschrank, der bei Hitze härter arbeitet. Und wer an heißen Tagen eher daheim bleibt, verbraucht dadurch mehr, auch ganz ohne Klimagerät. Das Band ist deshalb eine Obergrenze für alles Hitzebedingte, kein Preis für ein einzelnes Gerät. Und die Grenze von 25 Grad ist bisher nur an einem einzigen Haushalt kalibriert. Ob sie für andere genauso gilt, weiß erst, wer mehr Serien gemessen hat.