Was lief da nachts?
Ein Stromzähler liefert alle fünfzehn Minuten eine Zahl. Daraus lässt sich ablesen, dass in zwei Nächten etwas mit hundertzweiundvierzig Watt durchgelaufen ist, das vorher nicht da war. Was es war, steht dort nicht. Der Zähler zählt eine Summe, keine Geräte. Genau an dieser Stelle setzt das Neue an: Gridbert erkennt vier Arten von Auffälligkeit im Verbrauch, beschreibt sie in Watt, Stunden und Euro, und stellt dann die Frage, die er selbst nicht beantworten kann. Ein Klick in der Mail genügt. Beim nächsten Mal, wenn dieselbe Signatur auftaucht, steht statt der Frage die Erklärung: das sieht aus wie beim letzten Mal, dein Klimagerät.
Dass gefragt wird, ist keine Bequemlichkeit, sondern der Stand der Forschung. Aus Viertelstundenwerten einzelne Geräte herauszurechnen funktioniert bei kurz laufenden Verbrauchern praktisch nicht. Für einen Wasserkocher liegt selbst das beste Verfahren bei halbstündigen Daten auf Münzwurfniveau. Was bleibt, sind große Verbraucher mit langer Laufzeit, und auch die erkennen die Verfahren nur, wenn sie vorher wissen, welche Geräte im Haushalt stehen. Die Rückfrage ist damit nicht der Notbehelf, sondern der Teil des Verfahrens, der die fehlende Auflösung ersetzt. Ein einmal gegebenes Nutzerlabel wirkt danach wie eine Messung.
Die Euro-Beträge in so einer Nachricht sind eine eigene Falle. Der Arbeitspreis des Lieferanten ist nämlich nicht, was eine zusätzliche Kilowattstunde kostet. Bei einem Wiener Haushalt mit knapp dreizehn Cent netto beim Lieferanten kostet sie gut siebenundzwanzig Cent brutto, weil Netznutzung, Netzverlust, Ökostromförderung, Elektrizitätsabgabe, kommunale Gebrauchsabgabe und Umsatzsteuer daran hängen. Gridbert rechnet das jetzt aus dem Vertrag des Haushalts und dem Preisblatt seines Netzbetreibers, mit jedem Summanden einzeln belegt. Kennt er den Tarif nicht, nimmt er den Mittelwert der heute angebotenen Tarife und sagt auch dazu, dass es einer ist. Der Netzanteil wird in keinem Fall geschätzt.
Alle Schwellen sind so gebaut, dass eine ruhige Woche nichts meldet. Über neun Monate gemessen ergibt das gut zwei Nachrichten im Monat. Kalibriert wurde nicht an ausgedachten Testfällen, sondern an einer echten Serie über achthundert Tage. Das war auch nötig: das erste Kriterium für Abwesenheit hielt die Tagesspitze gegen die Grundlast desselben Tages und maß damit in Wahrheit, wie oft der Kühlschrank an und aus geht. Zweiundfünfzig Watt aus, hundertsechsundsiebzig Watt an. Jede belegte Urlaubswoche fiel durch dieses Sieb. Aufgefallen ist das erst beim Rechnen gegen echte Daten.